Matthias Laurisch: Musik – ganz praktisch! Strukturanpassungen für Vielfalt in der Musikjugend

04.01.2018

In der Deutschen Bläserjugend (DBJ) haben wir uns in den letzten Jahren noch einmal intensiv mit der Vielfalt in unseren Verbandsstrukturen auseinander gesetzt. Ausgehend vom weiten Inklusionsbegriff haben wir Strukturanpassungen vorgenommen und in Projekten unsere Arbeit weiterentwickelt. Einige Punkte sollen im Folgenden erläutert werden.

In der DBJ sind ca. 350.000 Kinder und Jugendliche organisiert, die in ca. 10.000 ehrenamtlich geführten Vereinen ein Blas- oder Schlaginstrument spielen. In den Vereinen spielen Menschen unterschiedlichsten Alters zusammen und bereichern so den lokalen Raum. Als DBJ war es uns wichtig die Bemühungen von Vereinen vor Ort in Bezug auf den Einbezug neuer Zielgruppen und auf die Bedürfnisse der Mitglieder zu unterstützen. Wir haben dazu verschiedene Projekte entwickelt, Modelle erprobt und unsere eigene Arbeit verändert.

Am Beginn unserer Überlegungen stand die Auseinandersetzung mit Begrifflichkeiten. Was ist Inklusion und was heißt das für uns? Wo sind wir anschlussfähig und wo müssen wir hinschauen? Wir haben Barrieren in unserer eigenen Arbeit überprüft. Ein Aufbaumodul für die Jugendleiter_in-Card widmet sich diesen Fragen und wir haben sie ganz praktisch gelebt. Vor jeder Veranstaltung fragen wir uns, was es braucht, um möglichst vielen Menschen eine Teilnahme zu ermöglichen. Das beginnt bei der Anfahrt und endet noch nicht bei der Sitzordnung. Auch Fragen nach Hierarchie, oder Geschlechterverhältnissen spielen für uns eine Rolle.

In Bezug auf künftige Vorstände führen wir Seminare durch, in denen wir Strukturanpassungen besprechen. Vorstände sollen zukünftig einen besseren Überblick über Aufgaben und Zeitanforderungen bekommen, es soll stärker auf den jeweiligen Ehrenamtstyp eingegangen werden und die Vorstandsarbeit soll stärker im Team geschehen. So wollen wir Erwartbarkeit, Transparenz und Anerkennungskultur fördern und damit mehr Menschen den Zugang zur Vorstandsarbeit ermöglichen.

Ein großes Projekt der DBJ beschäftigte sich mit Inklusion in Bläserklassen an allgemeinbildenden Schulen. Hier wird Ensemblemusizieren im Klassenverband eingesetzt, um die Kinder schon in jungen Jahren an das Instrumentalspiel heranzuführen. Gemeinsam mit Yamaha Music Europe, dem Institut für Musik der Universität Koblenz-Landau, Campus Landau und der Abteilung Schulmusik der Hochschule für Musik an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz stellten wir uns die Frage, wie sich die Bläserklassenarbeit verändern muss, wenn an den allgemeinbildenden Schulen Inklusion stärker umgesetzt wird. Herausgekommen sind spannende Erkenntnisse in Bezug auf Methoden, Befähigung der Lehrer_innen und zur Ausstattung der musikalischen Arbeit.

Unsere Bemühungen zu inklusiverer musikalischer Ausbildung endeten aber nicht bei der Bläserklasse. In den Amateurmusikverbänden gibt es eine Rahmenrichtlinie für die Ausbildung von jungen Musiker_innen, die sogenannte D-Reihe. Gemeinsam mit der Bundesakademie für musikalische Jugendbildung Trossingen wurde die Rahmenrichtlinie überarbeitet und um inklusive Methoden erweitert. Im Jahr 2017 wurde dieser Arbeitsstrang um digitale Werkzeuge wie eine Wissensplattform, Methodenvideos und ein Fotoarchiv zu inklusiver musikalischer Arbeit erweitert. 2018 werden diese Werkzeuge verfügbar sein.

Die DBJ ist ein jugendpolitischer Verband. Daher ist es uns wichtig, uns jenseits der internen Arbeit auch gesellschaftspolitisch zu positionieren. 2015 haben wir uns auf einer Arbeitstagung intensiv mit dem Thema Rassismus auseinandergesetzt und eine Positionierung des Verbandes erarbeitet. Sie hilft uns in den aktuellen politischen Debatten. 2017 sind wir dem Informations- und Dokumentationszentrum für Antirassismusarbeit beigetreten und wollen uns hier einbringen.


Matthias Laurisch ist Referent für Bildung und Jugendpolitik bei der Deutschen Bläserjugend in Berlin. Er studierte Soziologie an der Freien Universität Berlin. Er ist ausgebildeter Freiwilligenkoordinator und leitet deutschlandweit Seminare zur Strukturentwicklung im Ehrenamt.